Zum Hotelnachfolge-Stammtisch in München …lieferte gestern das Café Ruffini leckeren italienischen Wein und Mario Gomez die Tore im Gruppenspiel gegen Holland. Im Mittelpunkt stand jedoch die Frage, wie Szenarien eigentlich gemacht werden. Hier einige Punkte, die in der Runde gestern besonders wichtig waren: Die erste Phase der Szenario-Arbeit ist entscheidend. In der wird nämlich definiert, worum es geht und was das Ziel der Auseinandersetzung mit Zukunftsvarianten ist. Nur mit diesem Kompass kommt das Szenario-Team sicher durch den Dschungel von Varianten und Details. Meinungsverschiedenheiten im Szenario-Team machen es erst möglich, vielfältige Wege in die Zukunft wahrzunehmen. Andererseits: Wenn jeder nur auf der eigenen Meinung beharrt, kommt der Prozess ins Stocken. Da hilft nur gute Moderation und eventuell der Einsatz diskussions-freier Befragungsformulare. Ein Szenario ist in der Regel in einem Abstand von 10, 20 und mehr Jahren angesiedelt. Das ist für Entscheidungen mit Langfristwirkung einfach nötig. Auch bei mittelfristigen Fragen hilft ein großer Zeitabstand, sich mental von der Gegenwart zu lösen. Doch keine Sorge: Wenn die Szenarien fertig sind, stehen Gegenwart und unmittelbare Zukunft im Mittelpunkt. Denn dann erarbeitet das Team, welche Zwischenschritte in mögliche Zukünfte führen. Ein besonderes Dankeschön geht an die Stammtisch-BesucherInnen, die trotz Fußball-Europameisterschaft nach Neuhausen gekommen sind und ihre Erfahrungen geteilt haben! Mehr zum Thema: Eine Einführung in den Szenario-Prozess gab es auch beim tourism go green Camp 2011. Hier die Folien dazu. Occupy Tourism ist einer der aktuellen Trends, den wir besprochen haben. Hier eine Beschreibung.
Von Generation zu Generation im Hotel: „Zusammen schaffen wir Vielfalt und Geborgenheit für unsere Gäste“
Dieter und Gregor Kunzmann haben den Generationenübergang perfekt gemeistert. Der Junior leitet das gemeinsame Hotel, der Senior kann etwas mehr Freizeit genießen. Kurhotel war früher. Heute erstrahlt das Kunzmann´s nicht nur architektonisch in neuen Farben. Auch die beiden Hotelchefs, Vater und Sohn, machen das Haus interessant. Ein Gespräch über Vertrauen, Loslassen-Können und das Sowohl-als-Auch. Tritt der Sohn in die Fußstapfen des Vaters, geht das häufig schief. Mal ist es der falsche Zeitpunkt, mal sind die Fußstapfen zu groß. Wie ist es zusammen in einer Vater-Sohn-Konstellation ein Hotel zu führen? Prallen da nicht manchmal unterschiedliche Meinungen und Ansichten aufeinander? GREGOR KUNZMANN: Oh ja, aber ich denke, dass wir uns ganz gut zusammengerauft haben und erkannt haben, wo die Stärken des anderen liegen und diese auch nutzen. Ich bin sehr dankbar, meinen Vater als Unterstützung zu haben und auch wenn es nicht immer einfach ist, versuche ich auch aus seinen Erfahrungen zu lernen. DIETER KUNZMANN: Zu allererst bin ich sehr stolz, dass mein Sohn in meine Fußstapfen getreten ist und unseren langjährigen Familienbetrieb und die Tradition weiterführt. Trotz mancher unterschiedlichen Meinungen und Ansichten gibt es immer einen gemeinsamen Weg. Auch ich hatte damals vergleichbare Meinungsverschiedenheiten mit meinem Vater, an die ich mich in der letzten Zeit sehr oft erinnerte. (grinst) Was bereitet Ihnen an ihrer Arbeit in einem Hotel am meisten Freude? GREGOR KUNZMANN: Zu erleben wie das neue Kunzmann’s jeden Tag mehr zu meinem „Baby“ wird und zu sehen, welche Euphorie und positives Feedback von Seiten unserer Gäste und den Mitarbeitern zurückkommt. DIETER KUNZMANN: Die Vielzahl an neuen begeisterten Gästen und zu sehen wie auch unsere langjährigen Stammgäste die Veränderungen so positiv aufnehmen. Das erfordert Fingerspitzengefühl aber macht tatsächlich Freude. Worin bestanden die Hauptänderungen bei der Renovierung? GREGOR KUNZMANN: Hauptaugenmerk wurde auf die Komplettsanierung unserer damaligen Badeabteilung, hin zur 1.000 qm großen Wellness-Oase gelegt. Zudem die Renovierung eines Großteils der Gästezimmer und die Errichtung der neuen Suiten. Haben Sie bereits einen Lieblingsort oder Rückzugspunkt im Hotel gefunden? GREGOR KUNZMANN: Das Highlight bei jeder Hausführung ist natürlich unser neuer SPA-Bereich. Wenn ich allerdings mal wieder in mich gehe, dann findet man mich oft auf dem Dach des Hauses. Von dort aus kann man bei toller Aussicht mal wieder so richtig tief durchatmen und neue Energie schöpfen. Sie wollten nie Feuerwehrmann werden? Oder Arzt? Oder Rennfahrer? GREGOR KUNZMANN: Nein! Diese Frage hat sich mir tatsächlich nie gestellt. Irgendwie war immer klar, dass ich mal ins elterliche Geschäft einsteige. So wie es meinem Vater damals klar war. Erzähl mal, wie es bei dir war. DIETER KUNZMANN: Da gibt es viel zu erzählen. Nach Besuch der Handelsschule war ich zur Ausbildung an der Uni-Klinik in Würzburg und erlernte dort den Beruf des staatl. geprüften Masseurs und med. Bademeisters. Schon dort entwarf ich Pläne für ein neues größeres Kunzmann’s mit Hallenbad, großer med. Badeabteilung und neuen Zimmern. In den Jahren 1971/77/84/88 wurde immer wieder gebaut, umgebaut, renoviert und 2011 das aktuelle Kunzmann’s vollendet. Deshalb freue ich mich umso mehr, dass mein Sohn Freude daran gefunden hat, Gastgeber zu sein. Wir haben ihn trotzdem erst einmal in größere Betriebe gehen lassen, damit er schauen kann, ob diese Art des Arbeitens auch wirklich etwas für ihn ist. Die Art abhängig beschäftigt zu sein, war aber nicht Ihr Ziel? GREGOR KUNZMANN: Nun ja, das hatte natürlich schon Vorzüge. Nach meiner Ausbildung zum Hotelkaufmann in Bad Kissingen war ich erst mal in einem kleinen Familienhotel in Spanien (Roses – Costa Brava). Nach einer Sommersaison an der Bar und im Restaurant, ging es von der Sonne in den Schnee, nach Oberstaufen und anschließend Bad Gastein. Hier arbeitete ich im Front-Office-Bereich, bevor ich anschließend ein Sales-Trainee im Maritim Hotel Frankfurt absolvierte. Nach diesem Trainee blieb ich dem Maritim noch für ein weiteres Jahr treu. Meinen Ausbilder und die Hotelmeisterprüfung machte ich im Anschluss in Bad Reichenhall auf der Steigenberger Hotelfachschule. Die letzten 3 ½ Jahre war ich in München. Hier durchlebte ich die bislang schönste Zeit in meiner beruflichen Laufbahn. Die Eröffnung des Rocco Forte The Charles Hotels. Nach zwei tollen Jahren als Sales Manager im The Charles und vielen spannenden Begegnungen nahm ich die Herausforderung einer weiteren Hoteleröffnung an. Das Design Hotel „Louis“ direkt am Viktualienmarkt. Hier war ich als Director of Sales für die beiden Hotels „Louis“ und „Cortiina“, sowie die weiteren Restaurationen der Kull & Weinzierl Gruppe verantwortlich. Aber ich wusste schon während dieser Zeit: Auf Dauer ist das Angestelltenverhältnis einfach nichts für mich. Im Februar 2011 kehrte ich zurück in meine Heimat. Ich wollte mit eigenem Geld arbeiten, die Verantwortung dafür übernehmen. Das reizte mich. Ich wollte selbständig sein. Und unabhängig. Kann man das nicht auch in solchen Unternehmen? GREGOR KUNZMANN: Bestimmt bis zu einem gewissen Grad. Wenn man die Hierarchien akzeptiert. Ich habe erlebt, wie schwierig es ist, kreativ zu arbeiten. Aber auch: Wie stur an Zielvorgaben festgehalten wird. Das war nichts für mich. Ich hatte eine Alternative in der Hinterhand. In Bad Bocklet ist alles besser? GREGOR KUNZMANN: Besser ist die Welt auch hier nicht automatisch. Aber ich habe mehr Gestaltungsmöglichkeiten und kann auf die Wünsche meiner Gäste sofort eingehen. Der Ort ist überschaubar und mich trägt unsere Philosophie des Sowohl-Als-Auch. 85 Jahre Kunzmann? Gibt es Dinge, die immer gleich geblieben sind? GREGOR KUNZMANN: Ich glaube schon, dass wir eine herzliche und familiäre Atmosphäre in unserem Haus schaffen. Unsere Mitarbeiter strahlen das täglich aus – und wir hoffentlich auch. (lacht) Was macht in Ihren Augen das Kunzmann’s zu etwas besonderem? DIETER KUNZMANN: Unsere traumhafte Lage am Fuße der Rhön mit einem wunderbaren Blick auf die weitläufigen Saaleauen. Das prägt sicherlich auch unsere Atmosphäre, von der Gregor schon erzählt hat. Daneben ist es unsere Philosophie des Sowohl-Als-Auch. Menschen sind unterschiedlich. Wenn Sie mich fragen, ist der Mensch gut oder schlecht, dann würde ich auch erst einmal sagen, der Mensch ist gut. Allerdings wird es einfach schwer gemacht, daran zu glauben. Nehmen Sie die Politik. Es wird gelogen, was das Zeug hält. Andererseits wird erwartet,
Occupy Tourism – Trend & Wirkung
Occupy Tourism – ein Trend, der die klassische Wertschöpfungskette der Touristik durcheinanderbringt Einen der Trends, die wir imTrendworkshop vorstellen, haben wir Occupy Tourism genannt. Denn wie bei Occupy Wall Street werden gewohnte Muster der Wertschöpfung in Frage gestellt, soziale Netzwerke spielen eine Vermittlerrolle und Vertrauen ist ein zentrales Thema. Worum geht es bei Occupy Tourism? Couchsurfing wird zu einer echten Alternative für Hotels und Ferienwohnungen, insbesondere bei Kurztrips und Städtereisen. Dabei werden Schlafplätze von Privatpersonen gemietet. Das kann die Couch im Keller oder eine komplett eingerichtete Wohnung sein. Bevor es dazu kommt, beschnuppern sich Gast und Gastgeber in einem sozialen Netzwerk. Airbnb, der weltweit führende kommerzielle Anbieter einer solchen Community, hat gerade ein Büro in Hamburg eröffnet. Laut Airbnb stieg die Anzahl der gebuchten Übernachtungen in Deutschland im vergangenen Jahr um mehr als 700 Prozent im Vergleich zu 2010. Mehr als 10.000 Privatunterkünfte stehen allein in Deutschland zur Auswahl und Gastgeber haben 4 Millionen EUR eingenommen. Tendenz steigend. Mit 9flats.com,wimdu.de und einer Reihe kleinerer Startups tummeln sich weitere Anbieter im Markt. Was steckt dahinter? Verschiedene Entwicklungen befeuern den Trend. Die Bereitschaft zu Teilen – wie beim Carsharing – ist eine davon. Der Vormarsch sozialer Netzwerke, in denen sich Gleichgesinnte finden, eine weitere. Natürlich spielt auch Sparen eine Rolle: Eine Privat-Übernachtung ist preiswerter als eine vergleichbare Hotelübernachtung. Dazu kommt der Wunsch nach Nähe zu Einheimischen, man möchte die Stadt nicht aus der üblichen Touristenperspektive erleben. Ein Standard-Hotelzimmer gibt als Geschichte, die ich später erzählen kann, weit weniger her. Wer macht sowas? Leute mit einem individualisierten Lebensstil, zu dem Offenheit, Neugier und das Internet gehören. Das können Studierende ebenso wie Topverdiener sein. Preislich sind von kostenlosen Schlafplätzen (über das Original Couchsurfing) bis zu extravaganten Villen für mehrere Hundert Euro pro Nacht keine Grenzen gesetzt. Für wen ist Occupy Tourism eine Herausforderung? Hotels, Ferienwohnungen und Vermittlungsplattformen dafür. Umsatzmäßig wird das momentan kaum spürbar sein. Doch gut vernetzte Trendsetter definieren, was eine Übernachtung leisten soll. Nämlich Einrichtung mit Charakter, persönliche Begegnungen, ungewöhnliche Einblicke. An diesem Anspruch werden auch Hotels gemessen. Occupy Tourism betrifft auch Restaurants und Veranstalter, die sich ebenfalls privaten Alternativen gegenübersehen. Für Reisebüros ist der Trend nichts Neues mehr, dass sie vom Internet verdrängt werden, zeigt die aktuelle FUR-Reiseanalyse. Welche Chancen bietet der Trend? Hotels nähern sich mit individuell eingerichteten Zimmern einem echten Zuhause an. Sie können Gästen die Möglichkeit geben, an einer Tafel gemeinsam zu essen oder gar selbst zu kochen. Tolle Beispiele dafür gibt es schon. Eine andere Idee wäre, mit Wohnungsvemittlern zu kooperieren: Die Wohnung kommt von Privatleuten, der herausragende Service vom Hotel. Wir werden in nächster Zeit mit Sicherheit einige Innovationen in diesem Bereich sehen. Noch mehr Fallbeispiele und Impulse zu Occupy Tourism gibt es im Trendworkshopam 23. April 2012 in München! Autorin: Ines Seidl
Wohin geht die Reise? Deutschlandtourismus der Zukunft
Trotz aller Hiobsbotschaften fahren die Deutschen stur in Urlaub,“ so drückte es Prof. Martin Lohmann aus, der am Mittwoch auf der ITB die FUR-Reiseanalyse mit präsentierte. Während anderen Tourismusregionen wegen Unruhen und Naturkatastrophen die Urlauber wegbleiben, kann sich das deutsche Gastgewerbe auf stabilen Zustrom verlassen, vor allem von den Einheimischen selbst. Kann sich der Deutschlandtourismus also in den nächsten Jahren zurücklehnen? Zwei Reise-Szenarien für den Deutschlandtourismus Preis-Szenario 1) Familie Müller fährt in ein Landhotel, nur 200 km weit. Bei den Benzinpreisen ist das vernünftiger. Die Kinder werden den See und die Kuhweiden sicher mögen.Irgendwo muss man ja hin und dieses Hotel ist wirklich preiswert! Auch nächstes Jahr wird die Familie günstig in Deutschland verreisen. Und dann, ja, dann endlich soll es wieder einen richtigen Urlaub geben, eine Woche Provence, das ist das Ziel! Erlebnis-Szenario 2) Familie Müller fährt in ein Landhotel, nur 200 km weit, ein Geheimtipp. Herr Müller wird dort einen Angelkurs belegen, während Frau Müller am See meditiert. In der Hotelküche Fischgerichte zubereiten, das wollen sie sogar gemeinsam machen. Währenddessen sind die Kinder mit Paddelbooten unterwegs. Abends wird am Lagerfeuer in großer Runde gegrillt. Alle können es kaum erwarten! In welchem Szenario würden Sie lieber mitspielen? Ich behaupte, dass Hotels und Veranstalter selbst beeinflussen, in welcher Zukunft sie Gäste empfangen.Klar, es gibt Entwicklungen, die liegen außerhalb der Einflusszone eines Anbieters – so wie Kaufkraftentwicklung oder Klimaveränderung. Doch nur wer es verpasst, innovativ auf ein verändertes Umfeld und neue Bedürfnisse einzugehen, wird zu einem Standardprodukt im unteren Preissegment, wie in Szenario 1. Trends wie Entschleunigung, Selbermachen und Öko-lokal bieten jede Menge Chancen, um Gäste ins Schwärmen zu bringen. Genau um diese Chancen geht es am 23.April 2012 beim Trendworkshop Deutschlandtourismus. Gemeinsam mit der Akademie für Tourismusinnovationen führen wir in einem strukturierten Prozess von den Trends zu konkreten Ideen. Denn die Trends zu kennen, reicht nicht. Weitere Informationen zum Trendworkshop von ICC finden Sie hier.