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Mehrwertsteuersenkung Gastronomie in Deutschland beschlossen: Was 7 % wirklich bedeuten

Mehrwertsteuersenkung Gastronomie: Was die dauerhaften 7 % für Hotels, Wirtshäuser und Familienbetriebe wirklich bedeuten

von Andreas Dittlmann

Am 19. Dezember 2025 hat der Bundesrat der dauerhaften Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie auf 7 % ab 1. Januar 2026 zugestimmt. Damit endet eine jahrelange Phase politischer Unsicherheit – und eine steuerliche Ungleichbehandlung zwischen Essen „to go“, Gemeinschaftsverpflegung und klassischer Gastronomie.

Für viele Häuser ist das eine spürbare Entlastung – aber auch eine Einladung, jetzt sehr bewusst zu entscheiden, wofür dieser zusätzliche Spielraum genutzt werden soll: Preisdruck abfedern, Schulden reduzieren, Fachkräfte halten, investieren, Nachfolge sichern.

In diesem Beitrag ordnen wir die Entscheidung aus Sicht von:

  • Familienhotels und familiengeführten Betrieben

  • Gastronomiebetrieben in Stadt und Land

  • Mitarbeiter:innen und Fachkräften

  • politischen Entscheider:innen

ein – und skizzieren konkrete Handlungsempfehlungen für die nächsten Monate.


1. Was beschlossen wurde – und warum das für die Branche so relevant ist

Die wichtigsten Eckpunkte in Kürze:

  • Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie: dauerhaft 7 % ab 01.01.2026

  • Getränke: bleiben weiterhin bei 19 %

  • Gültig für Restaurants, Wirtshäuser, Cafés, Caterer und Gemeinschaftsverpflegung (Kitas, Schulen, Kliniken etc.)

  • Begründung der Bundesregierung: wirtschaftliche Stützung des Gastgewerbes, Sicherung von Arbeitsplätzen und Vermeidung von Wettbewerbsverzerrungen

Aus Sicht der Verbände wie DEHOGA wird die Entscheidung zu Recht als „historischer Erfolg“ bezeichnet – nach Jahren von Pandemie, Energiepreisschocks, Fachkräftemangel und Kostensteigerungen.

Wichtig: Es gibt keine gesetzliche Verpflichtung, die Steuersenkung direkt über niedrigere Preise an Gäste weiterzugeben. Betriebe können die Entlastung auch für Investitionen, Lohnerhöhungen oder Schuldenabbau nutzen.


2. Wer besonders profitiert: Familienhotels, Wirtshäuser und ländliche Gastronomie

Die 7 % Mehrwertsteuer auf Speisen wirken nicht überall gleich. Besonders stark profitieren:

  • Familiengeführte Hotels und Gasthöfe mit hohem Speisenanteil am Umsatz

  • Landgasthöfe und Wirtshäuser, deren Kalkulation bisher kaum Preisanhebungen zugelassen hat

  • Tourismusregionen, in denen Gastronomie ein wesentlicher Teil der regionalen Wertschöpfungskette ist (vom Landwirt über den Brauer bis zum Handwerk)

Für viele Häuser bedeutet die Senkung:

  • höhere Marge auf Speisen bei gleichbleibenden Bruttopreisen oder

  • Möglichkeit zur Preisdämpfung, um weitere Preissteigerungen zu vermeiden und für Stammgäste bezahlbar zu bleiben

Gerade Betriebe, die in den letzten Jahren durch hohe Energie-, Personal- und Wareneinkaufskosten unter Druck geraten sind, erhalten hier einen dringend benötigten Puffer.


3. Wirtschaftliche Effekte: Was Betriebe jetzt mit den 7 % tun sollten

Für die betriebswirtschaftliche Praxis stellt sich weniger die Frage, ob die 7 % helfen – sondern wo sie am meisten Wirkung entfalten.

3.1 Drei zentrale Hebel in der GuV

  1. Schuldenabbau & Zinslast senken

    • Viele Betriebe haben in der Corona-Zeit oder für Investitionen Kredite aufgenommen, oft zu deutlich höheren Zinsen als vor 2022.

    • Ein Teil der entstehenden Steuerentlastung sollte bewusst in Sondertilgungen und Kapitaldienststabilisierung fließen, um die Bilanz zu stärken.

  2. Fachkräfte binden und Löhne stabilisieren

    • Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter:innen bleibt eine der größten Herausforderungen im Gastgewerbe.

    • Höhere Nettomarge eröffnet Spielräume für Tarifanpassungen, Bonusmodelle und Weiterbildungsbudgets, etwa im Bereich Servicequalität oder Revenue Management.

  3. Investitionsstau auflösen

    • Viele Modernisierungen wurden vertagt: Küchentechnik, Energiesysteme, Digitalisierung, neue Hotelsoftware.

    • Die 7 % können helfen, Investitionsprogramme geordnet aufzusetzen, statt nur „auf Sicht“ zu fahren.

    • Wer sich für digitale Systeme und Prozesse interessiert, findet z. B. Impulse auf changing-hospitality.com.


4. Preispolitik: Müssen jetzt alle günstiger werden?

Kurz gesagt: Nein. Und das wird in der Praxis auch kaum der Fall sein.

Analysen zeigen, dass viele Betriebe die Steuersenkung weniger für Preissenkungen als vielmehr zur Stabilisierung der aktuellen Preisniveaus nutzen werden – also zum Verhindern weiterer Anhebungen.

Sinnvolle Preisszenarien

  1. Stabile Bruttopreise – steigende Nettomarge

    • Gäste zahlen weiterhin den bekannten Preis, der Betrieb gewinnt zusätzliche Liquidität.

    • Kommunikationsaufgabe: erklären, dass die Entlastung primär zur Sicherung von Qualität und Arbeitsplätzen genutzt wird.

  2. Gezielte Preisdämpfung in preissensiblen Bereichen

    • Z. B. Mittagsangebote, Familiengerichte, Kinderkarten.

    • Damit lassen sich Familien und Stammgäste gezielt entlasten – ein wichtiges Signal für ländliche Regionen.

  3. Paket- und Menülogiken überarbeiten

    • Kombination aus Speisen (7 %) und Getränken (19 %) neu kalkulieren.

    • Klare, einfache Preiskommunikation ist hier entscheidend, um Diskussionen am Tisch zu vermeiden.

Eine vertiefende Betrachtung dynamischer Preismodelle findest du z. B. in fachlichen Beiträgen zu Revenue Management und KI-gestützter Preisoptimierung.


5. Verschuldungsgrad, Zinsen und Eigenkapital – ein nüchterner Blick auf die Zahlen

Die Mehrwertsteuersenkung ist kein Geschenk, das „on top“ zum bestehenden Ergebnis kommt. In vielen Fällen wird sie:

  • bestehende Ergebnislücken schließen

  • Zinssteigerungen der letzten Jahre kompensieren

  • Verluste aus 2023/2024 teilweise abfedern

Empfehlenswert ist daher:

  1. Szenario-Rechnungen mit 5-Jahres-Perspektive

    • Wie entwickelt sich der Verschuldungsgrad, wenn 30–50 % der Entlastung konsequent in Tilgung fließen?

    • Welche Kennzahlen (Eigenkapitalquote, Debt-Service-Coverage-Ratio, Liquidität) verbessern sich?

  2. Gespräch mit Bank & Steuerberatung suchen

    • Die neue Steuerlage bietet Ansatzpunkte, um Kreditlinien neu zu strukturieren, Tilgungspläne anzupassen und Spielräume für Zukunftsinvestitionen zu definieren.

  3. Förderkulisse checken

    • In Kombination mit Programmen wie Digitalbonus, Energieeffizienz-Förderungen oder regionalen Tourismusprogrammen entstehen Hebeleffekte.

    • Hier kann eine strukturierte Beratung – etwa durch spezialisierte Hotel- und Gastronomieberater wie Dittlmann & Partner – Inter Change Concept – helfen, die richtigen Prioritäten zu setzen.

6. Politische Einordnung: Signalwirkung weit über die Branche hinaus

Mit der dauerhaften Senkung auf 7 % Mehrwertsteuer auf Speisen verfolgt die Bundesregierung mehrere Ziele:

  • Stärkung des Gastgewerbes als Jobmotor, insbesondere in Tourismusregionen

  • Steuergerechtigkeit, da Essen in Restaurant, Gemeinschaftsverpflegung und Lebensmitteleinzelhandel nun einheitlicher besteuert wird

  • Entlastung für eine Branche, die noch immer unter Umsatzeinbußen im Vergleich zum Vor-Corona-Niveau leidet

Gleichzeitig gibt es Kritik:

  • Einige Stimmen sehen in der Maßnahme ein „Steuergeschenk“ für eine einzelne Branche.

  • Länder und Kommunen müssen einen Teil der Steuerausfälle tragen – in Haushalten, die ohnehin stark belastet sind.

Für die politische Diskussion der nächsten Jahre wird relevant sein:

  • Wie nutzen Betriebe die Entlastung?

    • Fließt sie überwiegend in Preisdämpfung, Löhne und Investitionen – oder in Rendite?

  • Wie transparent kommuniziert die Branche?

    • Je klarer Restaurants und Hotels erklären, wofür sie den Spielraum nutzen, desto größer die gesellschaftliche Akzeptanz.

7. Was das für Mitarbeiter:innen und Fachkräfte bedeutet

Auch für Köch:innen, Servicekräfte, Housekeeping und Management bringt die Entscheidung Perspektiven:

  • Stabilere Betriebe bedeuten sicherere Arbeitsplätze.

  • Höhere Margen eröffnen Chancen für:

    • Lohnanpassungen und Bonusmodelle

    • Investitionen in Arbeitszeitmodelle, Teamstrukturen und Weiterbildung

    • bessere Arbeitsbedingungen (Moderne Technik, digitale Tools, ergonomische Arbeitsplätze)

Gerade in ländlichen Regionen kann die Steuerentlastung helfen, die Attraktivität des Berufsbildes Gastronomiewieder zu steigern – vorausgesetzt, Betriebe nutzen den Spielraum aktiv für ihre Teams und nicht nur für das kurzfristige Schließen von Löchern.


8. Handlungsempfehlungen: Was Familienhotels und Gastronomiebetriebe jetzt konkret tun sollten

8.1 Strategische To-do-Liste für 2025/2026

  1. Deckungsbeitragsrechnung aktualisieren

    • Wareneinsatz, Personalkosten und neue Steuerlast in der Kalkulation abbilden.

    • Speisekarte und Menülogiken prüfen.

  2. Preisstrategie definieren

    • Welche Gerichte bleiben preisstabil?

    • Wo werden bewusst familienfreundliche Preise oder Mittagsangebote gesetzt?

    • Wie wird das gegenüber Gästen kommuniziert?

  3. Plan zur Schuldenreduktion erarbeiten

    • Zielquote für Schuldenabbau festlegen.

    • Sondertilgungen planen und mit der Bank abstimmen.

  4. Investitionsplan priorisieren

    • Welche Projekte sind betriebswirtschaftlich am wichtigsten?

    • Beispiele: Energieeffizienz, Küchenmodernisierung, Digitalisierung von PMS/Channel-Management, Revenue-Management-Tools.

  5. Mitarbeiter:innen konsequent einbinden

    • Transparenz schaffen, wie die Steuerentlastung genutzt wird.

    • Gemeinsam definieren, welche Maßnahmen Team und Gäste spürbar entlasten.

  6. Politische Kommunikation suchen

    • Als Branche und Einzelbetrieb Erfahrungen zurückspiegeln – z. B. in lokalen Netzwerken, Kammern, DEHOGA-Landesverbänden oder Tourismusorganisationen.

Mehrwertsteuersenkung Gastronomie Deutschland 2026

9. Fazit: 7 % Mehrwertsteuer sind eine Chance – keine automatische Lösung

Die dauerhafte Mehrwertsteuersenkung in der Gastronomie auf 7 % ist ein wichtiges Signal:

für Fairness, Planungssicherheit und das Vertrauen in eine Branche, die in den vergangenen Jahren enorme Belastungen getragen hat.

Ob daraus echte Stabilisierung und Zukunftsfähigkeit entsteht, hängt jetzt maßgeblich von den Entscheidungen in den Häusern selbst ab:

  • Wird der zusätzliche Spielraum genutzt, um Schulden abzubauen und Zinslast zu reduzieren?

  • Werden Fachkräfte gehalten und neue gewonnen, weil Gehälter und Arbeitsbedingungen verbessert werden?

  • Werden Investitionen in Qualität, Digitalisierung und Nachhaltigkeit konsequent angestoßen?

  • Und gelingt es, Gästen verständlich zu erklären, dass diese Maßnahme kein kurzfristiger Rabatt, sondern eine langfristige Sicherung von Vielfalt, Qualität und Arbeitsplätzen ist?

Wer diese Fragen aktiv bearbeitet – als Familienhotel, Wirtshaus, Stadtrestaurant oder Gastgeber in einer Tourismusregion – wird aus den 7 % Mehrwertsteuer mehr machen als nur eine Entlastung in der Buchhaltung.

Weitere Impulse zu strategischen Entscheidungen in Hotellerie und Gastronomie findest du hier.

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